Archiv für Mai 2008

Alles andere als Sicherheit

Mai 30, 2008

CDU: Telefon-Daten müssen sicher sein, Vorratsdatenspeicherung notwendig

Wie kann es jemals Sicherheit sein, seine Daten unter Zwang Gruppen übergeben zu müssen, denen man nicht vertraut? Wer außerdem ernsthaft um die Sicherheit besorgt wäre, würde wohl eher dafür eintreten, unnötige Daten gar nicht erst zu erheben. Die Logik, dass Daten nicht in die falschen Hände geraten können, solange sie noch nicht existieren, sollte recht einleuchtend sein… Es gibt doch kontinuierlich neue Beispiele, dass genau das regelmäßig passiert. Genau während neue Pannen [1] bekannt werden, fordert man sogar noch weitergehende Speicherungen. Lernresistenz und Unbeirrbarkeit können auch gefährlich werden. Dagegen helfen Datenberge übrigens auch nicht.

[1]

Daten von 44.000 Studenten aus Versehen im Web

spiegel.de

eCards

Mai 21, 2008

Eine andere Webseite, die etwa hochpreisige Waren verkauft, soll alle Daten wie Name, Anschrift und Personalausweisnummer verlangen können, die der Inhaber dann mit einer PIN quittieren muss.

heise.de

Und damit haben ePerso, Gesundheitskarte (warum heißt sie eigentlich Gesundheitskarte und nicht eHealthCar(e)d oder so ähnlich?) und ELENA/Jobcard eines gemeinsam, sie alle sind die Antwort auf eine Frage, die niemand (mit Ausnahme der jeweiligen Herstellerfirmen vielleicht) gestellt hat.
Seit den 90ern funktionieren Einkäufe im Netz nämlich auch schon so völlig problemlos, ohne dass die Ausweisdokumente der Kunden überall ausgelesen werden. Auch ganz ohne die Übermittlung unnötiger Informationen wie der Personalausweisnummer…
Die Segnungen [1] der neuen Karten liegen auf der Hand. Zeug das bisher umsonst war, wird jetzt kostenpflichtig werden. Banalitäten wie die Abgabe der Adressen bei jeder Bestellung. Die Firmen, die zunächst selbst dafür zahlen müssen, werden das selbstverständlich an die Kunden weitergeben. Da ich kein Freund von bloßen Gebührenerzielungsinteressen bin, ganz gleich welcher Art, bleibt lediglich die Hoffnung, dass so wenige Firmen mitziehen, dass das Aufdrängen dieser Änderungen am Markt scheitert.

Wer weitere zentrale Datenbanken erwartet, angesichts der Erfassung nahezu aller Lebensbereiche mit den verschiedenen eCards (es fehlt ja wirklich nur noch die Hobby/FreizeitCard), wird sich freuen zu hören, dass man bereits eine einheitliche API [2] [3] erstellt hat, die zudem auf europaweite Interoperabilität [4] getrimmt wurde.

[1]

Laut Reisen soll eine eigens eingerichtete Bundesbehörde für die Zulassung dieser ID-Verifikationsdienste zuständig sein und von den Firmen Gebühren für den Abruf des ePersonalausweises kassieren. Der Unterhalt der nötigen Trustcenter für dieses ID-System soll hingegen der Privatwirtschaft überlassen bleiben.

heise.de

[2]

Das klingt sonderbar, ist aber der eCard-Strategie der Bundesregierung geschuldet: Gesundheitskarte wie Personalausweis können Träger einer qualifizierten digitalen Signatur sein und werden über ein einheitliches API angesteuert.

heise.de

[3]

Das eCard-API-Framework (BSI TR-03112)

bsi.bund.de

[4]

In Version 1.0 schließt die eCard-API außerdem zum europäischen “e-ID Project STORK” auf. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, elektronische Identitätsnachweise europaweit interoperabel zu machen.

heise.de

Zentrales Kommunikations-Überwachen in UK in Planung

Mai 21, 2008

Beabsichtigt ist, wie britische Medien berichten, die Einrichtung einer zentralen Datenbank, in der alle Informationen, die von den Telefon- und Internetprovidern im Rahmen der Telekommunikations-Vorratsdatenspeicherung für 12 Monate gesammelt werden müssen, zusammengeführt werden. In der zentralen Datenbank sollen die Verbindungsdaten mindestens ein Jahr vorrätig gehalten werden; sie sei erforderlich, damit Polizei und Geheimdienste leichter auf wichtige Informationen zur Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus zugreifen können.

heise.de

England, dort wo andauernd Daten verloren gehen (ich bin zu faul für eine Aufzählung aller Vorfälle der letzten paar Monate), will jetzt doch glatt die Vorratsdatenspeicherung auf “die nächste Stufe” bringen. Eine zentrale Datenbank beinahe unter völliger Kontrolle des Staates (Richtervorbehalt), statt bisheriger dezentraler Lagerung bei den jeweiligen privaten Anbietern.
Wie lange es dauern wird, bis unsere künftige Bundesabhörzentrale dann das Gleiche machen soll, spukt sicher schon in den Köpfen der üblichen Verdächtigen herum.

Konnte… Nicht… Verstehen…

Mai 10, 2008

Die “Hysterie” um die Fingerabdrücke konnte Binninger nicht verstehen, da diese generell “ein flüchtiges persönliches Merkmal” seien.

Alle Zitate von heise.de (Ja, ich bin mir der Ironie bewusst)

Flüchtiges Merkmal? Wie oft ändern sich die Fingerabdrücke denn so? Klar, sie sind unter Umständen leicht zu bekommen, dass heißt aber eben nicht gleichzeitig auch, dass es völlig egal ist wer sie hat, oder wo sie gefunden werden. Im gleichen Atemzug mit dem angepriesenen angeblichen Sicherheitsgewinn wird gesagt, dass Fingerabdrücke so leicht für jedermann zu beschaffen sind, dass sie quasi wertlos sind. Wo soll dann bitteschön noch die Sicherheit herkommen? Das ist doch ein Widerspruch.

Die Bürger würden die Technik zudem annehmen, was 1,5 Millionen Anträge für den Biometriepass der zweiten Generation belegen würden.

Spätestens hier muss man sich über die gemachten Aussagen wirklich ärgern - wieso soll es ein Erfolg sein, dass Bürger immer noch (eben wie immer) Pässe beantragen? Die Aussage suggeriert ja, bzw. würde nur dann Sinn machen, wenn man wählen könnte welchen Pass man will. Pech dann, dass es nur noch den neuen ePass mit Fingerabdrücken gibt… Da man ohne Ausweise “nicht lebensfähig” ist in unserem Land, wird sich also jeder dieser 1,5 Millionen Antragsteller schlicht gefügt haben. Diese so implizierte, zumindest doch nahegelegte, Definition von “Freiwilligkeit” ist schlicht zum Kotzen.

Das Innenministerium selbst habe beschieden, dass bei 62 Millionen sich im Umlauf befindlicher Personalausweise zwischen 2001 und 2007 nur 88 Totalfälschungen registriert worden seien.

Wie kommt es nur das unser Land bis hierhin überlebt hat? Bei 88/62.000.000 gefälschten Pässen? Und das in kurzen 7 Jahren? Warum nur handelt die Politik da erst jetzt?!?

Einigkeit

Mai 6, 2008

Bundestagsabgeordete im Reichstagsgebäude in Berlin. Was die Diäten angeht, sind sich die Abgeordneten meistens einig

stern.de

FUBAR vs. SNAFU

Mai 6, 2008

Das immer weiter ausgebaute Überwachungssystem, in das Milliarden an Steuergeldern flossen, bezeichnete er als “Fiasko”, niemand habe einen Gedanken darüber verschwendet, wie man es nutzen solle. In London würden gerade einmal 3 Prozent der Verbrechen mittels Videokameras gelöst. Polizisten hätten oft keine Lust, die Aufnahmen zu durchsuchen, weil dies “harte Arbeit” sei.

heise.de

Symbolischer Knast

Mai 2, 2008

Zwei mal drei Meter Pressefreiheit

Anlässlich des morgigen Internationalen Tags der Pressefreiheit stellt die Organisation Reporter ohne Grenzen heute auf dem Potsdamer Platz in Berlin symbolisch eine Gefängniszelle auf. mehr…

An was erinnert mich das jetzt?

Weitere Ideen: Symbolische Zelle für Abgeordnete die Auskunft über Nebeneinkünfte geben müssen und sich daher so eingeengt fühlen, dass ihnen kaum noch Raum zum Atmen bleibt oder Anwälte der Musikindustrie, die so wenig verdienen, dass sie sich in ihrer dadurch verursachten Verzweiflung wie eingesperrt vorkommen. [...]