Seit 1. November muss man bei den Meldebehörden, ganz der Salamitaktik entsprechend, Fingerabdrücke abgeben wenn man einen neuen Reisepass beantragt. Diese werden dann im RFID Chip gespeichert.
In einigen Tageszeitungen las ich, dass die Pässe dadurch nicht teurer werden! Auch Online zu finden.
das der Pass ab 1. November 2005 von 26 Euro auf 59 Euro angehoben wurde und das einfach nicht durch die Änderungen (billiger Chip im Passdeckel) zu begründen ist
Bürger unter 24 Jahren zahlen für den Pass “nur” 37,50 Euro. Dafür gilt dieser auch nur 6 Jahre…
Ab 1. November 2007 werden, genau 2 Jahre nach Einführung der biometrischen Passbilder, auch die Fingerabdrücke der Bürger erfasst, die einen Reisepass haben möchten. Gegen diese unangemessene Maßnahme möchte der CCC nun die Bürger zum Boykott aufrufen. Jeder, dem der aktuelle Trend missfällt, sinnlose Kontrollen an jeder Ecke aufzubauen, die nur mehr und mehr unbegründet Freiheiten entfernen, sollte sich ernsthaft überlegen, ob er sich nicht einen Ruck gibt und dieser Entwicklung Widerstand leistet.
Heute gab es bei der tagesschau einen Chat mit Constanze Kurz vom 46halbe Blog und Frank Rieger vom CCC. Das Thema des Chats war “Gegen Bundestrojaner hilft keine Firewall”.
Zwei Zitate daraus:
Der Trojaner kann sich auf dem Rechner verankern und die Daten kopieren, sobald die Platte angesteckt ist. Was hilft, ist, den gesamten Rechner nie ans Netz zu stecken.
Der normale Computerbenutzer wird sich nicht wirkungsvoll schützen können.
Zu diesem Resultat kamen wir auch in unserem “Schutz vor dem Bundestrojaner” Beitrag. Auch wenn man sich nicht 100% schützen kann, jeder sollte die Hürden die ein solcher Trojaner überwinden muss, so hoch wie möglich legen.
Das gesamte Chatlog kann man bei tagesschau.de lesen.
Seit dem 11. April 2007 werden bei 20 gewählten Passbehörden in einem Feldversuch bereits die Fingerabdrücke (linker+rechter Zeigefinger) in den biometrischen Reispeass mit aufgenommen. Der Versuch läuft bis zum 30. Juni 2007 - jeder der sich also an einer dieser Stellen einen Ausweis machen lassen “möchte”, hat bereits keine Wahl mehr. Unumgänglicher Zwang für alle wird es ab November 2007.
Geil. Und sogar ganze 5 Euro. Dafür lässt man sich natürlich voller patriotischer Freude erkennungsdienstlich behandeln und der Pass kostet so ja bloß noch 54 Euro (statt 26 für den Alten). Aber halt, ist ja auch so immer noch mehr als das Doppelte wie vorher, dann ist ja gut…
Und zwar nicht nur für den Schily, der u.a. für die ePässe den Weg geebnet hat. So hat die Bundesdruckerei diesmal etwas auf ihrer Homepage ergänzt und nicht gelöscht. Nämlich das erfolgreichste Jahr seit ihrem Bestehen. Wenig überraschend hat die dreiste Verdoppelung Anhebung des Preises der Reisepässe von 26€ auf 59€ dazu geführt, dass der Gewinn von 27,2 Millionen auf 63,7 Millionen Euro (2006) anstieg. Aber das ist noch nicht alles, dank weiterer Großaufträge wie den elektronischen Dienstausweisen oder Fingerabdruck-Scannern (die die Behörden zukünftig zur “erkennungsdienstlichen Behandlung” der Bürger brauchen die einen Perso “wollen”), dürfte die Bundesdruckerei auch weiterhin “der Sonne entgegensegeln”.
Lukas Grunwald und Christian Böttger haben die Daten eines Reisepasses mit einem Lesegerät aus der Innentasche eines Sakkos ausgelesen, ohne den Reisepass zu berühren. “Jeder Datendieb kann so etwas nachmachen”. So berichtet der Tagesspiegel.
Doch das Innenministerium, dessen Chef sich kürzlich durch Fachkompetenz ausgezeichnet hat, bestreitet, das ein unberechtigtes Auslesen des RFID-Chips möglich ist. “Bevor ich einen E-Pass auslesen kann, muss ich ihn erstmal aufklappen”, so die “fachmännische” Meinung der Sprecherin des Innenministeriums. Realitätsverweigerung par Excellence.
Die FDP-Bundestagsabgeordnete Gisela Piltz sagte “Beim E-Pass sind wir nun alle die Versuchskaninchen von Otto Schilys persönlicher Leidenschaft”.
Das Otto Schily nicht nur eine Leidenschaft an den E-Pässen sondern schlicht persönliche, finanzielle Interessen hatte wurde einige Monate, nachdem Schily aus dem Amt des Innenminister ausgeschieden ist, klar. Otto Schily ist an Unternehmen der Biometrie-Branche beteiligt und hat sogar zwei Aufsichtsratsposten inne. Die geschäftlichen Kontakte des früheren Bundesinnenministers hat sogar eine Kleine Anfrage der FDP an die Bundesregierung ausgelöst. Konsequenzen für Schily hatte es “natürlich” keine.
Spiegel-Online ist dieser handfeste Skandal nur einen kleinen Eintrag im Netzwelt-Ticker wert.
Anders als die ZDF Sendung “Abenteuer Wissen” vor einigen Tagen zeigt die ARD das man, zumindest Online, durchaus kritisch auch in den großen Medien berichten kann.
Oder sie feiern seit Silvester durch? Hat ja auch was, wenn man voll drauf ist. Derzeit meint man, in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP, dass die RFID Ausweise dauerhaftsicherwären… Vielleicht ist ja gemeint das sie dauerhaft davor sicher sind erneut geknackt zu werden. Nachdem man die Dinger sowieso schon lange nach Belieben klonen kann und auch das (ungewollte) Auslesen wohl nicht so unwahrscheinlich ist, ist die Ansicht dazu lediglich, dass es sich bei solchen kleinen Details um unrealistisches Gedöns handeln würde (”höchst unrealistisch und sehr konstruiert”). Ob da die “gleiche Weisheit” aus ihnen spricht wie einst aus Schily?
Nach dieser Ernüchterung ist klar, dass es sowieso sicher ist (wenigstens etwas…), dass sich niemand jemals darüber Gedanken gemacht hat, was mit den Daten des Chips passiert wenn sie sonstwo auf der Welt ausgelesen werden, immerhin dürfte jeder zustimmen das das ja der Zweck eines Reisepasses ist. Irgendwo auf der Welt könnte also das passieren, was hier ja zumindest der Bundesdruckerei (noch) verboten ist, die Speicherung aller auf dem Pass vorhandenen (biometrischen) Daten. Und was einmal in einer Datenbank steht… Zusammen mit der Tatsache das sich diese Daten leicht auf neue Chips schreiben lassen (~5 Minuten fürs Klonen), könnte leicht ein schwunghafter Handel damit entstehen. Hinzu kommt noch, dass niemand weiß wie die Technik sich in den 10 Jahren weiterentwickelt, die die Pässe nun einmal ihre Gültigkeit haben. Sobald jeder mit seinem RFID Pass unterwegs ist, entsteht auch das Interesse nach Lösungen diese zu manipulieren und vielleicht auch so zu verwenden wie die Hersteller sich das mal nicht gedacht hatten. Und 10 Jahre sind eine verdammt lange Zeit um eine Technik zu verstehen, die sich den gesamten Zeitraum über nicht mehr verändern wird – sogar nicht mehr verändern darf, allein wegen der Lesegeräte die überall nachgerüstet werden müssen/mussten.
Nach einem Bericht einer Gruppe um Professor Fu, waren 20 von 20 Kreditkarten auslesbar, während sie noch in einem Briefumschlag waren, was nunmal der übliche Weg einer Bank ist um die Kreditkarte zum Kunden zu befördern. Was bei normalen Kreditkarten vielleicht noch vor Durchleuchtung schützen mag, aufwendiges Bedrucken etc., ist komplett sinnlos wenn die Karte selbst ihre Informationen nach aussen überträgt. Die Sprecher der Kreditkartenhersteller reagieren wie üblich - es ist ihnen egal und ja sowieso keine Bedrohung, wenn jeder der mag entsprechenden Identitätsdiebstahl begehen kann.
Das sich viele gängige RFID Ausweise klonen lassen ist ja nichts neues mehr - beim Surfen kam mir vorhin ein Video unter, dass einen der seltenen Nachrichtenclips zeigt, in denen darauf aufmerksam gemacht wird.
Hier benutzt ein Hacker eine selbstgebaute Antenne um die nötigen Daten auszulesen.
"Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety."
Benjamin Franklin (1706-1790)
"Viele sagen: Ich habe nichts zu verbergen."
- Stern
"Das ist einer der dümmsten Sprüche, die es gibt. Jeder hat etwas zu verbergen."
- Peter Schaar
Interview im Stern