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Anfangsverdacht durch Google Suche

24/08/2007

Das es seit geraumer Zeit in Mode ist, simple Websuchen heranzuziehen, wenn es darum geht ob jemand in ein Land einreisen darf, oder ob ein Arbeitnehmer eingestellt werden soll, ist ja nichts neues mehr. Wie sinnfrei das im Einzelfall sein kann, spricht sich, ganz im Gegensatz zu dieser Methode, offenbar in vielen Kreisen nicht herum.

Im Fall von Andrej H., dem Wissenschaftler der wegen fragwürdiger Gründe in Haft genommen wurde, war eine solche banale Google Suche allerdings der Auslöser für eine fast einjährige Observation und Videoüberwachung nebst Abhöraktion, was schließlich zu seiner Verhaftung führte. Obwohl sich die Sache unheimlich lächerlich liest, ist es natürlich keineswegs lustig. Die Beamten begannen mit einer Google Suche und den Suchbegriffen „Gentrification“ und „Prekarisierung„, als damit eine seiner Publikationen gefunden wurde, wurden weitere Ermittlungen durchgeführt. „Unheimlich verdächtige“ Faktoren wie Zugang zu Bibliotheken führten tatsächlich dazu, dass die Ermittler sich in ihrem Verdacht bestätigt fühlten. Da wundert es auch kaum noch, wenn Haftbefehle u.a. mit so etwas begründet werden:

Als konspiratives Verhalten wird u.a. gewertet, dass er angeblich absichtlich sein Mobiltelefon nicht zu einem Treffen mitnahm

Wenn solche alltäglichen Verhaltensweisen schon konspirativ sein sollen (Hey, vielleicht war sein Akku leer=nutzloses Handy und er konnte ihn nicht mehr rechtzeitig aufladen… Keineswegs weniger plausibel als eine Verschwörung…) dann wirft das nochmal ein ganz anderes Licht auf die objektive Sicherheitslage (Das Fazit des offiziellen Berichtes war, “Deutschland gehört nach Einschätzung der Bundesregierung zu den sichersten Ländern der Welt”…) in Deutschland, wenn doch fast nichts (bzw. Dinge die auf das halbe Volk zutreffen könnten) für einen Haftbefehl ausreichend ist. Auf jeden Fall zeigt das auch nochmal wie wichtig Datenschutz ist, denn hängt man erstmal im Visier von Ermittlern, wirkt letztlich so gut wie alles verdächtig. Eine Theorie lässt sich schon finden, damit was auch immer konspirativ wirkt. Und sie sind in unserer Nähe. :P

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7 Kommentare leave one →
  1. 24/08/2007 2:49 PM

    Oje… Wenn einem das Handy-Akku ausgeht, gilt er bereits als ein Terrorverdächtiger… Orwell, Du hattest recht gehabt…

    Und die Punkte derer, die in unserer Nähe sind, sind auch hammerhart. Ich meine, wenn einem die Bibliothek zur Verfügung steht, soll er sich gleich auffählig benehmen, um nicht aufzufallen? :-)

  2. Luke permalink
    24/08/2007 5:03 PM

    Sehr schöner Eintrag :)

  3. 24/08/2007 10:34 PM

    Das Fahndungsplakat ist ja echt krass. Die sechs Hinweise woran man Terroristen erkennen soll kann doch nicht deren ernst sein…

    Ohne die Punkte zu zitieren (kann man ja auf dem Plakat lesen, letzter Link im Artikel) will ich doch was dazu sagen:

    Punkt1: Alle die nicht ganz doof sind und wissen wie man sich verbal artikuliert
    Punkt2: Menschen die Lesen und Internet haben (das ist schließlich die größte Bibliothek)
    Punkt3: Wenn man Leute kennt, oder nur gesprochen/getroffen hat, die dem Klischee-Terroristen nahe kommen (arabisches Aussehen usw.)
    Punkt4: Menschen die Artikel schreiben die Berlin und Hartz IV enthalten. Alles Terroristen!
    Punkt5: Alle politikinteressierten (was angeblich gewollt ist – die Politikverdrossenheit nach jeder Wahl ist ja immer ein Thema) und alle (Regional)Politiker
    Punkt6: Alle die Ihre grundgesetzlich zugesicherten Rechte wahrnehmen, wie das Recht zu Demonstrieren

    Jetzt stellt sich nur eine Frage!

    Gehörst auch DU dazu?

  4. 25/08/2007 2:07 AM

    Ich frage mich ja vielmehr wer das schrieb und wer grünes Licht für die Veröffentlichung gab. Könnte es denn noch absurder sein? Auf den ersten Blick trägt das doch die Handschrift eines Comedians bzw. Satirikers.

  5. 25/08/2007 11:03 AM

    Ich dachte auch zuerst, diese Fahndung sei ein Fake, aber nach Recherchen ergab sich, dass es sich um eine „Image-Kampagne“ der Bremer Polizei handelt, unter dem Motto „Wir sind ganz in Ihrer Nähe“. Eine schöne Image-Kampagne…

    Entweder sind sie selbstironisch, oder ich verstehe die Welt nicht mehr.

  6. 25/08/2007 12:10 PM

    Mist, jetzt darf man nicht mal mehr das Handy zu Hause lassen? Ist ja auch gemein, wenn ich mich der GPS Ortung via Chip im Mobiltelefon entziehe :D

Trackbacks

  1. Ich surfe, also bin ich (verdächtig) « Blue Archive

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