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Ja, „nackt“ schreibt sich mit „c“ vor dem „k“

20/09/2007

Ich fand es war an der Zeit das endlich mal zu klären. Im Ernst, gäbe es nicht so viele Leute die nach „16-jährige nakt“ suchen würden, hätten wir hier gar keine Hits (ah, ich liebe Blogs, wo sonst sollte man Einträge wie diesen lesen!).

Aber das ist noch nicht alles, dieses Mal schaffen wir es sogar die 16-jährige zu unterbieten! Nämlich mit einer 15-jährigen! Das ist (2006) in Zürich passiert:

Die Zürcher Stadtpolizei hält es für legitim, 15-jährige Mädchen auf dem Posten nackt auszuziehen, die sie beim Kiffen erwischt hat.

tagesanzeiger.ch

Genau – kiffen und dann runter mit den Klamotten!

Weil eines der Mädchen keine Identitätskarte bei sich hatte, forderten die Polizisten es auf, mit auf die nahe Hauptwache Urania zu kommen.

Weil eins ist ja klar, nur Terroristen haben keine Ausweise bei sich, stimmts? (Eigentlich nein, die 9/11 Täter waren alle legal da… Aber kein Grund kleinlich zu sein! Sowas muss schon seine Ordnung haben!)

Nach längerer Wartezeit auf dem Posten musste das erste Mädchen in einen kleinen fensterlosen Raum eintreten, in dem eine Polizistin in Uniform wartete. Sie befahl dem Mädchen, sich völlig nackt auszuziehen, verweigerte aber jede Information zu den Gründen. Sie erlaubte ihm nicht einmal, die Brüste mit den Händen zu bedecken. Es musste die Arme waagrecht ausstrecken.

Das 15 Jahre alte Mädchen musste sich doch auch nur ausziehen und durfte nichts verdecken, sowas soll man jetzt schon begründen müssen??? Also wirklich…

Die beiden andern Mädchen erlebten genau dasselbe. Sie empfanden das Prozedere übereinstimmend als erniedrigend.

Danach wurden die Mädchen einzeln von Polizisten befragt, wobei der jüngere als «good guy» auftrat und der ältere als «bad guy». Die Schülerinnen wurden nicht auf ihr Recht hingewiesen, ohne Beistand die Aussage zu verweigern. In der Befragung ging es ums Kiffen, aber auch um die psychologischen Konstellationen in der Familie, ob sie einen Freund hätten, ob sie mit ihm Geschlechtsverkehr hätten, was ihre Hobbys seien, wie sich ihr Freundeskreis zusammensetze und wie es mit den Erziehungsgrundsätzen und mit dem Taschengeld aussehe.

Scheisse, wie krank ist das denn. Deshalb lese ich die Nachrichten so gerne, ohne das offiziell zu erfahren würde man so einen Kram ja nie glauben! Aber ich schätze das wird alles ordentlich in die Datei für „sexuelles Verhalten Minderjähriger“ eingetragen. Und dann nie mehr gelöscht.

Das ruppige Vorgehen der Polizistin erklärt Polizeisprecher Michael Wirz mit der «Arbeitsteiligkeit» auf dem Posten. Die Frau habe an jenem Tag alle Leibesvisitationen routinemässig vorgenommen und dabei wohl nicht zwischen Mädchen und Frauen, problematischen und unproblematischen Leuten unterschieden.

Sprich, man wird in jedem Fall wie der schlimmste aller Straftäter behandelt. Cool!

Jugendliche, die gegen das Gesetz verstossen, müssten damit rechnen, vor allem, wenn sie jünger als 16 Jahre alt seien.

Wären die Mädels also 17 und älter gewesen hätte man sie eher nicht ausgezogen. Was dazu die kriminalistische Erfahrung wohl so sagt. :D

Es sei gut, solche Rückmeldungen zu erhalten: «Daraus können wir unsere Lehren ziehen.» Man wolle die Erkenntnisse in die Ausbildung einfliessen lassen.

Wolle, nicht wird. :P

Daniel Isenring von der Suchtpräventionsstelle Samowar in Meilen sagt, wenn sich Jugendliche auf dem Polizeiposten nackt ausziehen müssten, laufe dies auf eine Beschämung hinaus, erzeuge Widerstand, provoziere Wut und habe nur zur Folge, dass Vorurteile gegenüber der Polizei verfestigt würden. Sinnvoller wäre es, den Jugendlichen klar zu machen, worin ihr Fehlverhalten bestehe – und dann die Eltern zu bitten, ihr Kind vom Polizeiposten abzuholen. Damit binde man sie in die Verantwortung mit ein.

tagesanzeiger.ch

Amen.

5 Kommentare
  1. 20/09/2007 9:12 PM

    „Man wolle die Erkenntnisse in die Ausbildung einfliessen lassen.“

    Man muss es also erst in die Ausbildung einfliessen lassen damit die Polizei weiß, daß man 15-jährige Mädchen nicht nackt ausziehen lassen darf.
    Das ist doch total krank.
    In meinen Augen Kindesmißbrauch. Sowas sollte in allen großen Medien dementsprechend gebrandmarkt werden. Wenigstens wir schreiben drüber.

  2. 20/09/2007 9:46 PM

    Also das mit dem Missbrauch ist mir persönlich jetzt eigentlich schon zu hart. In erster Linie, weil es da ja noch viel schlimmeres gibt wofür man sich diese Begriffe aufsparen sollte. Davon abgesehen ist das was da passierte ja auch schon so krass genug. Man darf nicht unterschätzen wie demütigend sowas ist. Man muss also wirklich nichts anderes mehr hinzunehmen.

    Ferner zeigt es einfach, dass Menschen wirklich alles machen, wenn sie nur meinen das es schon so zu sein hat. Es ist einfach das System das sowas ermöglicht, dass Kritik verdient hat. Wenn ein System nicht von sich aus so aufgebaut ist, dass Scheisse wie diese nahezu ausgeschlossen ist, dann kommt es schließlich dazu.

    Das Milgram Experiment

    http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment#Literatur

    zeigt einfach, dass Menschen im Namen einer Autorität quasi alles machen und dann selbst keine Verantwortung dafür mehr empfinden. Eigentlich sollte ja jeder Mensch mindestens erst mal schlucken, bevor er sowas macht. Im Artikel steht ja sogar, wie die Frau das durch ihre Routine völlig automatisiert getan hat, ohne nochmal nachzudenken. Kaum eine Chance also, dass man in so einer Situation an Leute gerät, die sich denken was zur Hölle das ganze eigentlich soll.

    Bizarr ist ja auch noch, dass sobald jemand anderes genau das gleiche machen würde, vermutlich die gleiche Polizei ja die ersten wären, die dieser Person auf die Pelle rücken würden, während sie selbst ohne zu hinterfragen ähnlich verfahren. Dann wäre die Aufregung sicherlich groß und von „grundsätzlich legitim/keine große Sache bla“ keine Spur mehr. So schmal können die Grenzen zwischen legitim und „nicht mehr okay“ sein.

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