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Problemorientierte Beurteilung (oder Show)

31/10/2007

Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat sich derweil im Deutschlandfunk zu der angestrebten Massenklage geäußert. Er könne nicht beurteilen, ob es sich um eine „politische Show“ handele oder ob die Proteste „auf ernsthaften problemorientierten Beurteilungen eines Großteils der Bevölkerung beruht“.

heise.de

Ich denke Herr Papier unterschätzt bei diesem Satz wirklich in ungeheurem Ausmaß, wie schwer es ist, überhaupt jemanden dazu zu bewegen sich für etwas einzusetzen, ja – etwas überhaupt erst einmal wahrzunehmen (und dann als Problem wahrzunehmen, als letzter Schritt erfolgt vielleicht eine Aktion). Einer überwältigenden Mehrheit ist doch alles immer erst einmal egal, höchstens Themen bei denen es um Geld geht ziehen ein etwas größeres Publikum an – aus offensichtlichen Gründen. Gespräche mit verschiedensten Menschen ergeben häufig, dass niemand seine gesamte Kommunikation gespeichert sehen möchte. Deswegen hat sich dort aber trotzdem kaum jemand an der Sammelklage gegen die Vorratsdatenspeicherung beteiligt. Oft beteiligen sich nicht einmal die (vermeintlich) üblichen Verdächtigen, Leute von Blogs gegen die Vorratsdatenspeicherung… Die lächerlichsten Ausreden bekommt man zu hören. Noch mehr kann diese Aussage gar nicht widerlegt werden.

Ganz sicher nicht vergessen darf man auch, dass dieses Thema kaum von Medien verbreitet wird. Fast immer pendelt sich die ausführliche Berichterstattung auf eine kleine Anzahl von IT Seiten ein, die ohnehin nur von einem begrenzten Publikum gelesen werden. Dies lässt sogar noch völlig außer Acht, dass das Internet selbst noch einmal einen limitierenden Faktor darstellt. Nicht jeder holt sich dort seine Nachrichten, oft (oder immer noch) steht das Internet sogar fälschlicherweise im Ruf, nur unwahre Gerüchte zu verbreiten. Sogar dann, wenn als Quelle die gleichen Magazine genutzt wurden, die es auch als (so akzeptierte) Printversion gibt. IT Seiten bringen es außerdem mit sich, dass deren Leserspektrum meist von Profis bis zu gut informierten Enthusiasten reicht und (nicht selten) dominiert wird. Wenn es in dieser Gruppe keine problemorientierte Beurteilung gibt, dann wohl nirgends. Da es juristisch auch keine Rolle spielt, ob Verfassungsklage von einer Person, oder im Namen vieler erhoben wird, verwundert es auch, dass hier Überlegungen über einen Großteil der Bevölkerung stattfinden.

Zusammengefasst also: Die Mehrheit lebt an Änderungen wie der VDS unbeteiligt vorbei. Eine Beschäftigung damit findet nicht bis zu dem Punkt statt, an dem es zur klaren Zustimmung oder Ablehnung käme. Aber Leute die auf dem Gebiet relativ fit sind, müssen sich oft sowieso (z.B. beruflich) damit befassen und diese Gruppe ist es dann auch, die auffallend stark unter den Teilnehmern dieser Aktion vertreten sind. Die Beschäftigung mit dem Thema und die Teilnahme an entsprechenden Aktionen, entsteht eben gerade aus einem Problembewusstsein heraus.

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