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Behörden und Presseorgane

28/03/2009

Denen gehörten unter anderem die IP Adressen, die das BKA ermittelt hat, durch Besuch auf deren Website. Es ist für mich gar nicht schlüssig wie man auf die Idee kommt, dass durch irgendeinen platzierten Text angelockte Leute dann auch verdächtig sein könnten. Wobei es IMHO schon unklar ist, ob überhaupt irgendwelche Surfer durch den BKA Text auch die Homepage besuchten. Ein eventueller Referrer kann ja keine große Rolle gespielt haben, da sowieso jeder Besucher überprüft wurde. Wenn das nicht im trüben fischen ist, dann weiß ich auch nicht. Irgendwie klingt das nach völliger Abwesenheit von Spuren, wobei dann einfach niemand eine bessere Idee hatte, als solche scheinbar ziellosen Nachforschungen anzustellen. Richtig hässlich wird es aber dadurch, dass man Ergebnisse solchen Handelns auch noch vor Gericht verwendet. Man würde doch schätzen, dass sowas eher nicht an die große Glocke gehängt werden soll. Offenbar sehen das die Profis anders (okay, zumindest der eine Aktenvermerk geriet ungewollt an die Öffentlichkeit). Vermutlich unterschätze ich aber auch nur, wie gering die Wahrscheinlichkeit wirklich ist, dass jemand dafür mit Ärger rechnen muss. Der Richter hat ja auch sogleich die Herausgabe der Akte abgelehnt.
Wenn wirklich das schlichte Besuchen einer Seite zu Ermittlungen führen kann, beeinträchtigt das auf lange Sicht jede normale Nutzung des Netzes. Das man überhaupt versucht hat, nur wegen eines Aufrufes User irgendwelchen Gruppen zuzuordnen, ist einfach unbeschreiblich. Es ist schließlich so ähnlich, als würde man als „enger Kontakt“ einer Person gesehen werden, der man nur einmal beim Vorbeilaufen „Guten Morgen“ zurief und die man sonst noch nie gesehen hat. Mir schwant übles, wenn ich mir vorstelle wie Experten das angehen. Mit nahezu nichts in der Hand, kann es doch fast nur zu einem Auswürfeln kommen.
Das Verhalten des typischen Surfers sieht doch so aus, dass ein Link nach dem anderen geklickt wird, ohne lange über den nächsten Klick nachzudenken. Das geschieht alles fast völlig automatisch. Wie laufen oder atmen. Man macht es einfach bloß. Unbeschwert surft es sich da nicht mehr, ohne jetzt gleich mit der Scheren-Floskel kommen zu wollen. Immerhin will man ja nicht „dabei“ sein. Oft sieht man vor dem Klick gar nicht, was sich unter einem Link verbirgt. Wegen Shortlink Services wie tinyurl und snurl etwa (Extensions helfen), oder Skripten, die das Ziel verschleiern. Communities vom Typus StumbleUpon gehen da noch viel weiter, surfen ist hier wie eine Achterbahnfahrt, man wird einfach unkontrolliert irgendwohin geschleudert. Das Ziel ist eine Überraschung. Dann haben Browser auch oft Features die Links ohne Zutun des Users öffnen können, siehe Prefetching. Wer nicht von der Nutzung solcher Dienste/Möglichkeiten ablässt, und somit sein Internet Erlebnis zumindest zum schlechteren verändert sieht, muss immer unangenehm im Hinterkopf befürchten in einer Ermittlung zu landen – wobei auch das ein Risiko nur mindert, wer weiß schon vom Link- oder Dateinamen her, was wirklich z.B. auf einem Bild zu sehen ist. Man wird es immer zuerst herunterladen müssen. Das Buch lässt sich eben nicht lesen sowie näher anschauen, ohne es zuerst in die Hand zu nehmen. Als erstmalig die News durchs Netz zog, dass das BKA alle Zugriffe auf seine Seite untersucht, wurde schon in vielen Chats gescherzt „hier klick mal dahin“, gelacht haben aber auch da schon nur noch die allerwenigsten.
Da tatsächliche Arbeitsweisen der Würdenträger zu eher wenig Vertrauen inspirieren, dürften solche Bedenken wohl als gerechtfertigt durchgehen. Besonders wenn man sich versucht vorzustellen, womit sich diese Vorgänge nur noch steigern lassen, im Zeitalter der beständigen Kompetenzerweiterungen entsprechender Organe. Dort teilt man solche Bedenken ja eher noch seltener als selten.

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