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Unbewegliche Elemente behindern Aufklärung

27/02/2010

Denn die größte Herausforderung besteht darin, dass wir im Internet heute fast alle ohne Orientierungshilfen unterwegs sind. Es fehlt ein klarer Standort, es fehlen Karten und Navigationssysteme.

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Mitnichten. Deshalb ist es auch keine Herausforderung. Wichtiger: Es braucht keinen klaren Standort, weil – es sich eben nicht um den Straßenverkehr handelt. Derlei Beispiele sind ja ganz gut um gewisse Absurditäten aufzuzeigen, aber mehr auch nicht. Es lässt sich genau so weit schleifen.

Die virtuelle Welt zeigt uns immer nur einen kleinen Ausschnitt, Vieles bleibt unserer Wahrnehmung verborgen und Kriminelle nutzen dies längst aus.

Niemand hat jemals irgendwo die komplette Übersicht über alles. Hört endlich auf so zu tun, als seien all die stinknormalen Gegebenheiten des Alltags plötzlich etwas neues/anderes/gefährliches weil es manche Individuen nur in Zusammenhang mit dem Netz sehen wollen/können.

Ähnlich wie in einem Kriminalfilm, in dem der Bösewicht das Straßenschild in eine falsche Richtung dreht, werden beim „Phishing“ Bürger über E-Mails auf gefälschte Webseiten geführt, um an ihre Passwörter, Kontonummern und dergleichen mehr zu kommen.

Passiert nur Leuten die echt gar nix checken. Denen, denen nicht geholfen werden kann. Den Gleichen, die auch „in Echt“ abgezogen werden. Ist es trotzdem falsch? Selbstverständlich, keine Frage. Sollte man das bekämpfen? Ja klar. War das zu erwarten? Natürlich. Ist es was neues? Nein, wer würde auf so eine abwegige Idee kommen? Darf man jemanden ernst nehmen, der es so darstellen möchte, dass es irgendwie ein neues Problem ist, dass es nur in Bezug aufs Netz gibt? Nein, keinesfalls, jegliche Seriösität ist verflogen, komplett diskreditiert.

Internetkriminalität ist heute ein sehr ernstes Problem.

Hahahahahahaha. Und gestern gab es noch kein Netz. Und morgen ist es normal, weshalb es dann nur noch (und wieder nur) Kriminalität gibt. Aber keine „Internetkriminalität“ mehr. Schonmal darüber nachgedacht wer HEUTE von Autokriminalität oder Straßenkriminalität oder „mittels Elektrizität begangener“ Kriminalität spricht? Keiner? Wieso wohl?

Gleichzeitig bereitet das Fahren ohne Orientierungshilfe noch aus anderen Gründen Sorge: Fehlende Orientierung schränkt die Selbstbestimmung des einzelnen Internetnutzers ein.

Keiner, der auf Biegen und Brechen nicht mit diesen unzulänglichen Beispielen stoppen kann, wird es je verstehen. Selbstbestimmung definiert sich genau daraus, dass man hinsurfen kann, wo auch immer man landen möchte. Selbstbestimmung hört dann auf, wenn ich alle möglichen Grenzen an der Backe habe, die mir nicht erlauben meinen Weg so zu finden, wie ich es selbst für richtig halte. Wobei es sowieso lächerlich ist, im Zeitalter hunderter (oft auch spezialisierter) Suchmaschinen und vorsortierten Portalen noch von Orientierungslosigkeit sprechen zu wollen. Will ich was über Filme wissen geh ich zur imdb, will ich allgemein was suchen rufe ich clusty auf, braucht man ein Lexikon gehts zur englischen Wikipedia… Welche Suchmaschine für welchen Fall am besten geeignet ist, lernt jeder User vollautomatisch, indem er sich einfach auf das Medium einlässt. Mehr ist überhaupt nicht nötig.

Uns fehlen die Sinnesorgane für das virtuelle Straßennetz.

Völlig falsch. Manchen fehlt eine gewisse Vertrautheit mit dem Medium. Mehr nicht. Zu behaupten man bräuchte ein Sinnesorgan (mir ist klar das es nur als eine Metapher gedacht ist), um sich im Netz zurecht zu finden, zementiert ja nur die Meinung Unkundiger, es nicht lernen zu können/zu müssen. Es ist die perfekte Entschuldigung, sich dem Neuen weiterhin zu verschließen. Wieso gibt es dann überhaupt so viele Leute, die in Sekunden alles mögliche im Netz finden können? Wenn es doch ein Organ dafür braucht? Anstatt sich solchen Gedanken hinzugeben, wäre es sinnvoller gewesen, einfach ein bisschen typische Aktivitäten im Netz (selbst) zu verfolgen.

Viele Nutzer können kaum nachvollziehen, wo und wie sie sich im Internet bewegen.

Yeah! Ab zur Organtransplantation! Oder einfach mal bisschen surfen, dann legt sich das ganz schnell.

Sind sie auf einer echten oder gefälschten Seite?

Schonmal eine gefälschte Seite gesehen, die ohne 10.000 Rechtschreibfehler auskam? Sorry, aber Orthographie hilft. Abgesehen davon haben alle modernen Browser eine Erkennung dafür, die per default aktiv ist – für alle Leute die keinen Bock darauf haben hier das Hirn einzuschalten. Gibt natürlich auch keinen 100% Schutz, aber das gibt es sowieso NIE (Ausnahmen bestätigen Regel). Das ist doch wohl allen klar, oder?

Laden sie sich ein nützliches Zusatzprogramm herunter oder infizieren sie ihren eigenen Rechner mit einem Schadprogramm?

Auch für solche Fälle hat man dann Virenscanner. Microsoft verscherbelt seine Security Essentials sogar nur für Umme. Wobei auch das wieder vorwiegend als Hilfe für Leute zu sehen ist, die sich mit der eigenen Medienkompetenz da noch schwer tun. Auch hier: das gibt sich.

Sind die Daten, die sie in ein soziales Netzwerk eingestellt haben, tatsächlich privat oder schon öffentlich?

Ein Wort: Öffentlich.

Falls es ein Irgendwas-VZ ist, dann wurden die vermutlich sogar schon geklaut und verkauft. :P

Kann durch das Zusammenführen von Daten ein Gesamtbild erstellt werden, das den Nutzer am Ende völlig entblößt?

Wer sich darüber sorgt, sollte schleunigst mal damit beginnen Elena etc. zu bekämpfen.

Im Netz reicht es normalerweise schon völlig, niemals den echten Namen zu verwenden und auf jeder Plattform andere Nicks zu benutzen. Tada!

Wer kann solche Daten zusammenfügen: der Staat oder große private Unternehmen?

Absolut jeder (der nicht auf den Kopf gefallen ist oder das Geld hat dann eben jemand anderen dafür zu bezahlen).

Und sitzt der Nutzer selbst am Steuer oder gibt es jemanden, der unter seiner Identität in der virtuellen Welt unterwegs ist?

Auch hier wäre es viel sinnvoller irgendwelchen Trotteln Probleme zu bereiten, die doch tatsächlich nach irgendeinem Standard-Namen wie „Max Müller“ suchen und meinen unter dem ersten Treffer gleich die Person gefunden zu haben, die da vor ihnen sitzt. Ganz im Ernst: Was stimmt nicht mit jemandem, der sich von alleine nicht dessen bewusst ist, dass es eine Vielzahl von Personen des gleichen Namens geben kann? Welche Pfosten muss man auf sowas erst hinweisen? Hier offenbart sich doch primär die volle Traurigkeit einer Gesellschaft, das tatsächliche Bildungs- und Aufklärungsniveau dieser. Ich halte es für komplett falsch, sich jetzt hier hinzustellen und so tun zu wollen, als sei es eigentlich ein technologisches Problem. Das führt nur von den wahren Ursachen weg.

Unverrückbar ist für mich, dass der Staat nicht selbst das Steuer anstelle seiner Bürger übernehmen darf, um Sicherheit zu gewährleisten

Wie jetzt? Alle sinnlosen Aktionismen der letzten 10 Jahre werden getrasht? Klar, alles nur das nicht.

Dies gilt natürlich in erster Linie dann, wenn er selbst Daten erhebt und verarbeitet.

Dude, auch auf die Gefahr hin mich hier zu wiederholen: Solange Zeug wie Elena steht, sind solche Sprüche nichts als ein Schlag ins Gesicht aller, die noch Nachrichten lesen und diese auch ver-ste-hen.

Was der Staat tun kann, ist die Selbstbestimmung des Einzelnen zu stärken und Möglichkeiten zur Orientierung im virtuellen Raum aufzuzeigen, anzubieten und vielleicht sogar zu gewährleisten.

Schon in der ersten Zeile ahnte ich, dass dies kommen musste. :D Und nein, genau das muss er nicht. Ich will keine staatliche Suche und auch keinen staatlichen Browser, der immer die Regierungsseite als erstes öffnet. Wieso wollen eigentlich immer alle exakt da eingreifen, wo das Problem NICHT ist? Es ist zum Haare raufen. Liegt es vielleicht daran, dass dies einfacher ist, als sich mit dem hässlichen Monster der zahlreichen Ursachen anzulegen? Wer will diesen Kampf je gewinnen?

Am Anfang selbstbestimmter Freiheitsausübung steht die Aufklärung. Staat, Softwarehersteller und Diensteanbieter haben eine gemeinsame Verantwortung dafür, dass die Menschen die Risiken im Internet besser verstehen lernen.

Was hat das mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun? Stellt euch einfach hin und erzählt den Leuten, dass im Netz die exakt gleichen Regeln/Konsequenzen gelten, wie im „echten Leben“. Jeder der schon mal was im Netz bestellt hat und dann das Paket an der Tür vom Lieferanten in die Hand gedrückt bekam, sollte verstanden haben, dass Aktionen im Netz ganz reale Auswirkungen haben können. „Niemand“ unterschreibt doch an der Haustür einen Vertrag, den ein zwielichtiger Vertreter penetrant unter die Nase hält. Das ist eine gesellschaftlich akzeptierte, übliche Verhaltensweise, der gesunde Menschenverstand. Wo ist jetzt die Hürde, dieses Verhalten aufs Netz zu transferieren? Wo ist das Neue? Wo das Überraschende? Ich fühle mich veralbert, hiermit ernsthaft konfrontiert zu werden. Um diese Sache aufzulösen: Niemand schickt dir 100 Millionen Euro in einer Mail. Alles klar? Jedenfalls nicht mehr Leute, als dir diese auf der Straße einfach so in die Hand drücken würden. Ich betrachte das nun als verstanden. :P

Gleichwohl ist die Zahlenfolge „123456“ noch immer eines der beliebtesten Passwörter.

Für solche klitzekleinen Idiotien benötigt man aber keine politischen Aktionen. Hier reicht es schon alle Apps so aufzubauen, dass diese Passwörter nicht mehr angenommen werden. „Hallo du Trottel! Dein Passwort wird von jedem 10jährigen in 30 Sekunden erraten! Ändern!“ Case: SOLVED.

Aufklärung kann funktionieren, reicht aber nicht aus.

Nicht aufgeben, weiterkämpfen!

Selbstbestimmung im Netz setzt zudem voraus, dass Softwarehersteller und Diensteanbieter ihre wirtschaftliche Macht nicht ausnutzen und ausnutzen können.

Ja, vor 20 Jahren wäre das mal ein gutes Beschäftigungsfeld für Politiker gewesen. Jetzt ists halt dezent zu spät.

Die Nutzer müssen eine echte Wahl haben, ob sie etwa die Weitergabe ihrer Daten akzeptieren oder nicht. Dies setzt voraus, dass sie verständlich informiert werden, was mit ihren Daten geschehen soll.

FULL ACK. Das ist eine gute Sache. Bisher war es jedoch immer so, dass der Staat hier mächtig daneben gehauen hat. Beispiel Elena, der Staat betrachtet es hier als glorreichen Beschluss, dass der Arbeitnehmer erst noch ein Passwort angeben muss, bevor auf die Daten zugegriffen werden kann. Also im Falle einer Bewerbung oder so. Nur – wer das Passwort nicht angibt, bekommt dann halt den Job nicht. Wo bitteschön soll hier die Freiwilligkeit sein? Ich fühle mich schlicht verarscht. Die vermeintliche Wahl oder Entscheidung, die man dem Subjekt noch lassen möchte, ist realistisch betrachtet überhaupt keine.
Es würde schon einen gigantischen Unterschied ausmachen, wenn alle Bürger eine Möglichkeit erhalten würden, durch einen verbindlichen Auskunftsanspruch erfahren zu können, wer was über sie gespeichert hat. Bisher ist so etwas nahezu unmöglich. Diese Transparenz alleine, würde es Datensündern schon schwerer machen, hier Missbrauch zu treiben.

Es ist legitim und schützenswert, bestimmte Kommunikationsformen im Internet anonym oder unter einem Pseudonym zu nutzen.

BOOM. Tja, das sehe ich genauso, deshalb bin ich auch strikt gegen die Vorratsdatenspeicherung, die das alles leider komplett untergräbt. Darauf haben „unsere“ Politiker aber leider aktiv hin gearbeitet. Niemand der daran mitgewirkt hat, ist noch glaubwürdig, wenn es jetzt plötzlich mal um Datenschutz etc. gehen soll.

Es gibt aber Angebote, bei denen sich die Beteiligten sicher sein müssen, mit wem sie kommunizieren.

Deswegen gibt es ja auch schon ewig unzählige Möglichkeiten Nachrichten zu signieren, zu verschlüsseln… Funktioniert seit vielen Jahren alles bestens.

Der neue Personalausweis dient wie auch in der realen Welt dem freien und ungehinderten Verkehr zu Orten, bei denen man sicher sein möchte, mit wem man sich trifft und beispielsweise Verträge schließt.

Das Internet ist auch real. Gäbe es das nur innerhalb einer Fiktion, würden sich solche Leute erst gar nicht damit beschäftigen.

Ob und in welchem Umfang sie diesen elektronischen Identitätsnachweis nutzen, bestimmen die Bürger selbst.

Solange es nirgends verpflichtend vorgeschrieben wird, ja.

Wir haben uns heute daran gewöhnt, mit E-Mails zu kommunizieren.

LOL. Fun Fact: Die erste deutsche Mail wurde 1984 verschickt. Daraus kann man ganz gut ableiten, wie lange es immer mindestens dauert, bis sich die Gesellschaft an irgendwas „gewöhnt“.

Diese Kommunikation stößt aber an Grenzen, wenn sensible persönliche Daten übermittelt werden sollen, wenn eine Zustellbestätigung für den Vertragsschluss nötig ist oder wenn ich meinem elektronischen Gegenüber eine gesicherte Absenderadresse übermitteln will.

Millionen Amazon Versandbestätigungs-Mails sprechen eine andere Sprache. Aber die sind in Deutschland halt erst seit den Neunzigern aktiv…

Beim Surfen gibt es keine Leitplanken, beim Fahren schon. Beides muss möglich sein im Internet: Das freie Surfen ebenso wie das sichere Fahren. Letzteres verlangt eine ausgebaute Infrastruktur und diese fehlt zum Teil noch.

Great Scott!

Zugleich wachsen mit seiner Komplexität und Undurchschaubarkeit die Risiken.

Wenn tatsächlich Komplexität und Undurchschaubarkeit irgendwo Lebensqualität verschlechtert, dann doch gewiss zuletzt im Netz.

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