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Mein Grad an Vertrauen in das System

13/05/2010

Illustriert am Beispiel des routinemäßigen, banalen Beantragen eines schlichten Personalausweises.

Werbebriefe haben ein Gutes, man kann sie ohne Konsequenz gleich ungeöffnet wegwerfen. Warum sollte man erleichtert sein, wenn man Briefe unbesorgt loswerden kann? Ganz einfach, weil selten gute Neuigkeiten per Briefpost ankommen! Okay, sie sind selten sooo schlecht – trotzdem, das harmloseste sind meist Rechnungen.
So erreicht mich dieses Mal ein Brief, bei dem mich gleich der erste Satz verwirrte: „…uns wurde für Sie eine Namensänderung gemeldet.“ Diese vermeintliche Namensänderung (einer von zwei Vornamen war [nicht von mir] „gelöscht“ worden) zog dann natürlich auch direkt die Erstellung eines neuen Sozialversicherungsausweises nach sich. Man muss wirklich keinen Ärger suchen, um trotzdem welchen an den Hals zu bekommen. Typische Sache, die Zeit/Geld/Energie verschlingen wird, egal wie man sie angeht.
Wie dem auch sei, es war relativ einfach „den Schuldigen“ ausfindig zu machen, da mein einziger Kontakt mit irgendeinem Amt seit sehr langer Zeit die Beantragung eines neuen Personalausweises gewesen war. Scheinbar hatte es dort ein Mitarbeiter trotz meiner klaren Worte „übernehmen Sie bitte die bisherigen Daten unverändert“ geschafft diesen Glitch zu erzeugen. Diese Daten werden natürlich sofort an zusätzliche Stellen (z.B. Deutsche Rentenversicherung) weiter gemeldet und Voila! Schon darf der Kunde versuchen irgendwelche Fehler auszubügeln. Vorschläge, Melderegister zu begrenzen, kann ich daher nur voll unterstützen, verkleinert man damit doch gleichzeitig den potentiellen Schaden, der dort angerichtet werden kann.
Der Einfachheit halber wartete ich gleich darauf bis der Ausweis zur Abholung bereit liegen würde, schließlich konnte ich in dieser Situation nicht wissen, ob darauf weitere Fehler zu finden sein würden. Abgesehen davon würde ein Anschreiben der anderen Stelle sehr wahrscheinlich die ursprünglichen Fehler nicht beseitigen. Eventuell würde ich so gleich 2 „korrigierte“ Sozialversicherungsausweise erhalten. (Noch größeres) Chaos! Also am besten direkt zur Quelle.
Mein Besuch erwies sich dann auch als so qualvoll, wie von mir befürchtet. Ich schilderte die Lage und bat darum, den gemachten Fehler zu korrigieren. Tipp: Nie davon sprechen das ein Fehler passiert sei. DAS ist ein Fehler. Der neue Ausweis enthielt dann auch keinen offensichtlichen Fauxpas – weswegen abgewiegelt wurde. Nach ein paar Sätzen/Ausflüchten der Person wurde mir klar, dass das eigentliche Problem gar nicht erfasst wurde. Das Verständnis bestand darin anzunehmen, eine Art Versandhändler zu sein, der eine Bestellung (den Ausweis) aufnimmt, diese ausführt (von der Bundesdruckerei drucken lassen) und dann das Produkt ausliefert (der Bürger holt den Perso ab), womit der Vorgang komplett abgeschlossen sei. Es war keinerlei Bewusstsein dafür vorhanden, dass die dort eingegebenen Daten weiterhin in einer staatlichen Datenbank erfasst sind und auch an andere Stellen weitergemeldet werden, bzw. abgerufen werden können… Und das, obwohl sogar die Eingabemaske direkt die Option enthält, Änderungen weiterzumelden, was die Person sogar selbst ausgewählt hatte… Der krasseste Spruch den ich hören musste, war, dass wenn ich eine Namensänderung wollte, ich ja aufs Standesamt gehen könne… Darauf wusste ich dann nur zu erwidern, dass wenn hier ein Fehler gemacht wurde, er auch hier wieder korrigiert werden könne.
Aber was war jetzt genau passiert? Es ist so geregelt, dass bei mehr als einem Vornamen einer davon als Rufname bestimmt werden muss, welcher dies offiziell ist, ist im Ausweis daran zu erkennen, dass dieser Name unten im maschinenlesbaren Teil allein hinter dem Nachnamen folgt, während oben bei Vornamen alle Namen aus der Geburtsurkunde stehen. Der Mensch im Amt hatte jetzt irgendwie ohne mich zu fragen (auf meinen Satz hin, bitte alles unverändert zu übernehmen) die Einträge bei „Rufname“ verändert und auch „Änderungen weitermelden“ ausgewählt (wonach sich niemand erklären konnte, wie es dazu kommen konnte, das Dritte davon erfahren hatten…), was (oh Wunder) die nächste Stelle dazu veranlasste mir diesen Brief zu schicken.
Da sowieso niemandem klarzumachen war was geschehen war, versuchte ich die Situation so einfach wie möglich aufzulösen. Ich lehnte die Annahme des neuen Ausweises ab, bat darum den korrekten Rufnamen einzutragen und hoffte das die erneute Weitermeldung der Daten auch überall sonst aufgetauchte Fehler korrigieren würde. Während das neue Formular erstellt wurde, murmelte mein Antagonist vor sich hin, welches Bild sich darbot. Auch die erfassten Daten über Beantragungen der Ausweise werden demnach nie mehr gelöscht, alle jemals beantragten Dokumente bleiben einzeln erfasst und in meinem Fall wurde fast jedes Mal etwas anderes unter Rufname eingetragen, einmal sogar beide Vornamen, was natürlich kompletter Unsinn ist und ein unschönes Bild vermittelt, mit welcher Sorgfalt offenbar vorgegangen wird. Wieso es nur dieses mal woanders als Namensänderung registriert wurde bleibt unklar. Diesen Informationen zur Folge hätte ich eigentlich bei jedem beantragten Ausweis so einen Brief erhalten müssen – vielleicht hat sich inzwischen einfach nur der Datenaustausch zwischen Amtsstuben irgendwie verändert…
Bis der Ausdruck dann endlich fertig war, wurde ich noch mehrfach darauf hingewiesen, dass sicherlich mal irgendwer meinen Rufnamen festgelegt hätte, es seitdem so drinstand und später immer wieder übernommen worden wäre. Worauf ich nicht mehr wusste was ich noch erwidern sollte,

  • da ich nie gefragt wurde was ich als Rufnamen definieren möchte
  • mir mein Gegenüber vor wenigen Augenblicken doch erst selbst gesagt hatte, dass es eben nicht schon immer so drinstand sondern ständig geändert wurde
  • UND das doch sowieso nicht das Problem gewesen war, aus dem ich die Korrektur wollte/brauchte

Eigentlich sollte man den Leuten ja gerade dann erzählen was man davon hält, mindestens um die Fakten herauszustellen, aber was kann man damit schon erreichen? Ich hatte längst genug und wollte nur noch weg.
Spätestens hier zeigt sich eine Schwäche im System, weil der Wisch der dem Kunden/Bürger zur Durchsicht und Unterschrift vorgelegt wird, also die einzige Chance, um selbst feststellen zu können ob etwa ein Fehler in den Daten enthalten ist, gar nicht umfasst, was in der Datenbank als Rufname festgelegt ist. Somit ist dieses Problem auch bei genauestem Durchlesen nicht wirklich zu verhindern. Die Zutaten zu einem solchen Drama bereiten sich komplett intransparent vor. Dies nicht aufzuführen ist ein grandioses Versäumnis, wenn man bedenkt, welchen unnötigen Ärger es nach sich ziehen kann. Jedes Stück Information kann als Auslöser dienen.
Meinen hoffentlich finalen, korrekten Personalausweis habe ich unterdessen noch nicht abgeholt. Auch einen neuen Sozialversicherungsausweis habe ich noch nicht erhalten – ob man mir diesen unaufgefordert zuschicken wird wie den ersten/falschen weiß ich nicht. Mir ist nicht einmal klar, wie lange ich warten sollte, bevor ich auch dort noch einmal aktiv werden muss.

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